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vom 25. Juni 2002

"Greifen Sie nach Funktionen"

Rita Süssmuth und Heide Moser gaben Frauen Tipps für die Politik

Moderator Dr. Michael Bürsch im Gespräch mit Prof. Rita Süßmuth, eingerahmt von zwei politisch aktiven "KopF e.V."-Frauen aus Passade, Kathrin Heintz (links) und Annette Blöcker. Foto Zimmer

Plön (zm) "Mehr Frauen in die Politik" - so lässt sich kurz das Anliegen beschreiben, das die Gruppe "KopF e.V." unter Leitung der Vorsitzenden Dr. Birgit Böhnke verfolgt. Der Info- und Talkabend in prominenter Gesellschaft am Sonntag im Plöner Restaurant "Schwimmhalle am Schloss" sollte diesem Ziel dienen.

Und es gab in der Tat eine Reihe von parteiübergreifenden Einsichten, die es kommenden Frauen-Generationen leichter machen könnten, das Feld der politischen Entscheidungen nicht allein den Männern zu überlassen. "Männer haben mehr Mut. Männer machen einfach und überlegen dann, ob sie es können. Bei Frauen ist das andersherum." Von dieser Erkenntnis wusste die Selenter Gemeindevertreterin Anke Stöhrmann im Talk mit Moderator Dr. Michael Bürsch zu berichten. Dass sie sich für die Mitarbeit in einer Wählergemeinschaft entschieden hatte, erklärte sie damit, dass es in den "Ortsvereinen der Parteien sehr fest gefügte Strukturen und Diskussionskulturen gibt". Und überhaupt "hat Parteipolitik auf kommunaler Ebene nichts zu suchen."

Kathrin Heintz, Gemeindevertreterin in Passade, berichtete im Gespräch von ihrer Motivation, als derzeit einzige Frau in Passade mitzumachen: "Mich hat interessiert, was da passiert. Und von Mal zu Mal habe ich mehr verstanden." Die Mitarbeit in "KopF e.V." sei sehr hilfreich, zumal man hören kann, "wie es woanders läuft".

Auf besondere Aufmerksamkeit stießen die rückblickenden Erkenntnisse von Schleswig-Holsteins Sozialministerin Heide Moser und der ehemaligen Bundesfamilienministerin und Bundestagspräsidentin Dr. Rita Süssmuth. Am Anfang der Minister-Zeit, so Heide Moser, sei da die Angst gewesen, "nicht über jedes Detail Bescheid zu wissen". Dieses Sicherheitsbedürfnis müsse man in der Politik aber abbauen: "Niemand kann gleich alles wissen."

Rita Süssmuth, 1981 in die CDU eingetreten, 1985 bereits Ministerin, befand, "dass Parteien für Frauen nicht attraktiv sind. Man hat da stromlinienförmig zu sein. In Fraktionen ist das ähnlich." Auf der anderen Seite sei natürlich auch die Einsicht gewachsen, dass man allein nichts erreichen kann, wenn man politische Ziele verfolgt. Da müsse man sich schon um Macht bemühen. "Ohne Macht können Sie die Sache nicht vorantreiben. Wenn Sie keine Funktion haben, bewirken Sie nichts." Folge: Wer Einfluss nehmen wolle, müsse sich um ein Amt bemühen: Sprecher, Vorsitz, Obmann. Süßmuth zu den etwa 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern: "Greifen Sie nach Funktionen."

Aus dem Nähkästchen der Bonner und Berliner Erfahrungen wusste Professorin Süssmuth dann noch mit diesen politischen Lebenserkenntnissen Mut zu machen: "Was aussichtslos ist, muss nicht aussichtslos bleiben." Manchmal müsse man Maulwurfsarbeit betreiben, "hochkommen, abtauchen, wieder hochkommen..." Zum Beweis: Nach 20 Jahren sei dann doch noch ein Gesetz gegen die Vergewaltigung in der Ehe beschlossen worden.

Eine ganz besondere Strategie hatte die streitbare ehemalige Ministerin im Umgang mit Altkanzler Helmut Kohl. Wenn seine berühmt-berüchtigten "blauen Briefe" kamen, dann "habe ich die manchmal einfach nicht aufgemacht".