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Artikel aus vom 20. Juni 2002

Kleine Betriebe voller Sorgen

Diskussion zeigt Probleme auf

Meinungsaustausch über Probleme der kleinen Unternehmen mit (von links) Handwerksmeister Ulrich Mietschke, Dr. Ditmar Staffelt und Dr. Michael Bürsch. Rechts im Bild der Raisdorfer Bürgermeister Klaus Schade. Foto Zimmer
Plön/Raisdorf (zm) Wer glaubt, dass ein Leben als selbständiger Unternehmer Honigschlecken bedeutet, der hätte am Dienstag in Raisdorf ein ganz anderes Bild mitgenommen. Im Hotel "Rosenheim" hörten sich MdB Dr. Michael Bürsch und der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Ditmar Staffelt vom Bundeswirtschaftsministerium im Originalton die Probleme und Sorgen kleiner Betriebe an.

Die Aktion "SPD-Bundestagsfraktion vor Ort" hatte sie nach Raisdorf geführt. Einen Beitrag aus dem (brutalen) richtigen Leben konnte Ingenieur Wolfgang Gehrke leisten. Immer häufiger sei zu beobachten, dass öffentliche Auftraggeber wie Gemeinden, Kreise oder Länder die Arbeiten an einem Projekt (Kliniken, Schulen, Kindergärten...) an Generalunternehmer vergeben. Folge sei nicht selten, dass die Generalunternehmer die Arbeiten an Subunternehmer weiterreichen, ohne dass diese auskömmliche Gewinne erzielen können. Stattdessen sackten die Generalunter- oder Übernehmer die Gewinne ein, die dann oftmals auch nicht in der Region bleiben.

Folge sei, so Gehrke, dass die Firmen nicht in der Lage seien, genug Eigenkapital anzusammeln und Gewerbesteuern in ihren Gemeinden zu zahlen. Das Rezept zum Gegensteuern lieferte Gehrke gleich mit: Gemeinden sollten größere Aufträge über Architekten managen lassen, die dann mit den einzelnen Unternehmen direkt abrechnen. Folge: Der Bau wird nicht teurer, aber das Geld wird gerechter verteilt und bleibt in der Region.

Zur Sprache kamen auch moralische Aspekte in der Wirtschaft. In der rauen Wirklichkeit sei bisweilen zu beobachten, dass Generalunternehmer den kleineren am Bau beteiligten Betrieben zu Unrecht Mängel vorwerfen und am Ende verkünden, es würden nur 70 Prozent der Auftragssumme gezahlt. Wer mehr wolle, müsse halt die Gerichte anrufen. Gehrke: Bei der Aussicht, viel Geld für langwierige Verfahren vor Gericht auszugeben, würden viele Firmen einknicken.

Die Liste der Probleme, um die sich die Politik kümmern sollte, war aber weit länger: Da wurde moniert, dass es immer "noch zuviel Bürokratie" gibt, dass kleine Betriebe kaum noch Chancen hätten, Kredite bei Banken zu erhalten, dass zuviel Zeit unentgeltlich für das Ausfüllen von unzähligen Statistik-Formularen verwandt wird, dass das Planungsrecht (Landschaftspläne, Landschaftspflegerische Begleitpläne, Grünordnungspläne...) zu kompliziert ist. Raisdorfs Bürgermeister Klaus Schade in diesem Zusammenhang: "Da vergeht einem die Lust am Planen." Und Schade äußerte die Sorge, dass Bund und Länder dabei seien, die Kommunen "kaputt zu sparen".

Als ungelöstes Problem schilderte Susan Göttsch vom "Passader Backhaus", dass die Lohnsumme bei den 325-Euro-Jobs entsprechend den Betriebsbedürfnissen deutlich auf etwa 450 Euro erhöht werden müssten. Staffelt kündigte an, dass die 325-Euro-Jobs nach dem 22. September auf die Tagesordnung kommen. Zum Problem-Thema Kredite merkte er an, dass die Bundesregierung beabsichtige, die Margen der Sparkassen vor Ort zu fördern und auch Bürgschaftsrisiken zu übernehmen, um weiterhin Kredite an kleine Betriebe zu ermöglichen.

Michael Bürsch versprach abschließend, sich einmal vom statistischen Aufwand in einem Betrieb persönlich zu überzeugen.